Cannabis ist heute legaler als früher. Beim Autofahren bringt Ihnen das aber wenig.
Das eigentliche Problem: Man kann sich längst wieder völlig normal fühlen – und trotzdem noch THC im Körper haben. Genau dann wird es gefährlich für den Führerschein.
Dr. jur. Marc Herzog und Dr. med. Vitus Jas erklären, worauf es nach dem Konsum wirklich ankommt, warum das eigene Gefühl täuschen kann und welche Fehler bei einer Polizeikontrolle besser vermieden werden sollten.
Ich fühle mich wieder nüchtern – bin ich damit automatisch fahrtüchtig?
Nein.
Cannabis kann Reaktion, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Koordination beeinträchtigen. Gerade beim Autofahren sind genau diese Fähigkeiten entscheidend.
Das Schwierige daran: Wer öfter konsumiert, merkt die Wirkung häufig weniger stark. Man fühlt sich also vielleicht wieder fit, obwohl THC noch im Körper vorhanden ist.
Das eigene Gefühl ist deshalb kein sicherer Maßstab.
Wie lange ist THC überhaupt nachweisbar?
Darauf gibt es leider keine einfache Antwort. THC kann im Blut, im Urin und auch in den Haaren nachgewiesen werden. Wie lange, hängt aber stark davon ab, wie oft und wie viel konsumiert wurde.
Wer nur einmal konsumiert, kann ganz andere Werte haben als jemand, der regelmäßig kifft. Bei häufigem Konsum kann THC deutlich länger im Körper bleiben.
Genau deshalb gibt es keine seriöse Formel wie: „Nach X Stunden bist du immer sicher.“
Kann ich am Wochenende kiffen und am Montag wieder fahren?
Das ist eine der häufigsten Fragen. Die einfache Antwort lautet:
Das kann gutgehen – muss aber nicht.
Entscheidend sind unter anderem:
- wie viel konsumiert wurde,
- wie stark das Cannabis war,
- ob regelmäßig konsumiert wird,
- ob geraucht oder gegessen wurde,
- ob zusätzlich Alkohol oder andere Substanzen im Spiel waren,
- und wie der eigene Körper THC abbaut.
Im Gespräch wird deshalb ganz bewusst davor gewarnt, sich auf eine starre Stundenangabe zu verlassen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie wieder fahren können, ist die sicherste Lösung: Auto stehen lassen.
Warum sind Edibles besonders heikel?
Cannabis wird nicht nur geraucht. Es gibt auch Cookies, Gummies, Öle und andere Produkte. Dabei setzt die Wirkung oft später ein – und kann deutlich länger anhalten. Das ist tückisch, weil manche zu früh nachlegen, weil zunächst „noch nichts passiert“. Später kann die Wirkung dann umso stärker einsetzen.
Bei solchen Produkten sollte man deshalb besonders vorsichtig sein.
Was bedeutet die 3,5-ng-Grenze?
Für Autofahrer ist die Zahl 3,5 ng/ml wichtig. Liegt der THC-Wert im Blutserum bei oder über diesem Wert, kann das bereits zu einem Bußgeldverfahren und Fahrverbot führen. Wichtig ist aber:
Sie merken selbst nicht zuverlässig, ob Sie über oder unter diesem Wert liegen.
Genau das macht Cannabis im Straßenverkehr so problematisch.
Ist ein Urintest bei der Polizei aussagekräftig?
Nur eingeschränkt.
Ein Urintest kann noch anschlagen, obwohl der aktuelle THC-Wert im Blut schon deutlich niedriger ist.Der Urin zeigt also vor allem:
Es wurde irgendwann konsumiert.
Er sagt nicht automatisch, wie hoch der aktuelle Wert im Blut ist.
Muss ich bei der Polizeikontrolle einen Urintest machen?
Ein freiwilliger Urintest ist nicht verpflichtend.
Auch bestimmte Koordinations- oder Konzentrationstests müssen nicht einfach deshalb gemacht werden, weil die Polizei darum bittet.
Anders ist es bei einer angeordneten Blutentnahme. Die kann unter bestimmten Voraussetzungen durchgeführt werden.
Wichtig ist vor allem: ruhig bleiben, höflich bleiben und nicht vorschnell Angaben zum eigenen Konsum machen. Gerade Aussagen wie „Ich habe gestern noch gekifft“ oder „Ich rauche regelmäßig“ können später unnötige Probleme schaffen.
Was ist für regelmäßige Konsumenten besonders gefährlich?
Regelmäßige Konsumenten unterschätzen oft ihr eigenes Risiko.
Der Grund: Man gewöhnt sich subjektiv an die Wirkung. Man fühlt sich also schneller wieder normal. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass der THC-Wert schon niedrig genug ist. Gerade diese Gewöhnung kann dazu führen, dass man zu früh wieder ins Auto steigt.
Droht beim ersten Mal gleich eine MPU?
Nicht automatisch.
Eine einmalige Cannabisfahrt bedeutet nicht zwingend sofort MPU. Problematisch wird es vor allem dann, wenn weitere Punkte dazukommen, zum Beispiel:
- wiederholte Fahrten unter Cannabis,
- auffälliges Fahrverhalten,
- Mischkonsum mit Alkohol,
- sehr häufiger Konsum,
- Zweifel daran, ob Konsum und Autofahren wirklich getrennt werden.
Dann kann die Fahrerlaubnisbehörde genauer hinschauen.
Warum ist Mischkonsum besonders problematisch?
Cannabis und Alkohol zusammen sind besonders ungünstig. Beide können Reaktionsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Wahrnehmung beeinträchtigen. Zusammen kann sich das Risiko noch verstärken.
Auch für die spätere Beurteilung der Fahreignung kann Mischkonsum eine größere Rolle spielen.
Der wichtigste Punkt: Nicht nach Gefühl fahren
Das größte Missverständnis lautet:
„Ich fühle mich wieder normal, also kann ich fahren.“
Genau darauf sollte man sich nicht verlassen. THC kann noch im Körper sein, obwohl die spürbare Wirkung längst nachgelassen hat. Gerade bei regelmäßigem Konsum oder Edibles kann das besonders schwer einzuschätzen sein.
Wenn Sie also Cannabis konsumiert haben und nicht sicher wissen, ob Sie wieder fahren können, ist die beste Entscheidung immer noch die einfachste:
Auto stehen lassen.
Arzt und Anwalt klären auf
Dr. jur. Marc Herzog und Dr. med. Vitus Jass erklären gemeinsam, was Cannabis mit Reaktion und Fahrtüchtigkeit macht, wie lange THC nachweisbar sein kann, warum Urintests täuschen können und worauf man bei einer Polizeikontrolle achten sollte.
Das vollständige Video finden Sie auf dem YouTube-Kanal „Dr. Herzog Rechtsanwälte“.
