E-Scooter gehören inzwischen selbstverständlich zum Straßenbild. Gerade nach Partys oder beim Ausgehen erscheint die Idee verlockend: Das Auto bleibt stehen und für den kurzen Heimweg wird einfach ein E-Scooter genommen.
Genau hier liegt ein gefährlicher Irrtum.
Ein E-Scooter ist rechtlich kein Fahrrad, sondern ein Kraftfahrzeug. Wer nach Alkohol- oder Cannabiskonsum damit fährt, kann deshalb nicht nur ein Bußgeld oder Fahrverbot riskieren. Je nach Fall können ein Strafverfahren, die Entziehung der Fahrerlaubnis und später sogar eine MPU folgen.
Auch medizinisch ist die vermeintlich harmlose Alternative problematisch: Kleine Räder, fehlende Knautschzone und hohe Anforderungen an Gleichgewicht und Reaktionsfähigkeit machen Alkohol, Cannabis und insbesondere Mischkonsum auf dem E-Scooter besonders riskant. e scooteryt
Ist ein E-Scooter rechtlich ein Kraftfahrzeug?
Ja.
Elektrokleinstfahrzeuge im Sinne der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung sind ausdrücklich Kraftfahrzeuge mit elektrischem Antrieb. Dazu gehören die üblichen E-Scooter mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 6 km/h bis maximal 20 km/h. Gesetze im Internet
Das ist entscheidend, weil damit zahlreiche Vorschriften gelten, die Betroffene häufig nur mit einem Auto verbinden.
Der Satz „Ich bin doch nur E-Scooter gefahren“ schützt deshalb nicht vor den Folgen einer Alkohol- oder Cannabisfahrt.
Alkohol auf dem E-Scooter: Die 0,5-Promille-Grenze gilt
Da der E-Scooter ein Kraftfahrzeug ist, gilt auch § 24a I StVG.
Ordnungswidrig handelt, wer ein Kraftfahrzeug im Straßenverkehr mit mindestens
0,5 Promille Alkohol im Blut oder
0,25 mg/l Alkohol in der Atemluft
führt. Gesetze im Internet
Für einen Erstverstoß sieht der Bußgeldkatalog grundsätzlich eine Geldbuße von 500 € und ein einmonatiges Fahrverbot vor. Bei einschlägigen Voreintragungen steigen Geldbuße und Regelfahrverbot deutlich an. Gesetze im Internet
Dabei darf nicht übersehen werden: Auch unterhalb von 0,5 Promille kann aus einer Fahrt bereits eine Straftat werden, wenn aufgrund des Alkohols keine sichere Fahrzeugführung mehr möglich ist.
§ 316 StGB stellt das Führen eines Fahrzeugs unter Strafe, wenn der Fahrer alkoholbedingt nicht mehr in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen. Auch fahrlässiges Verhalten ist strafbar. Gesetze im Internet
Ab 1,1 Promille: Strafverfahren wegen Trunkenheit im Verkehr
Besonders gravierend wird die Situation bei höheren Alkoholwerten.
Die obergerichtliche Rechtsprechung legt beim E-Scooter inzwischen überwiegend ebenfalls den für Kraftfahrzeuge bekannten Grenzwert von 1,1 Promille für die absolute Fahruntüchtigkeit zugrunde.
Das OLG Hamm hat dies mit Urteil vom 08.01.2025 – III-1 ORs 70/24 – ausdrücklich bestätigt. Auch das LG Köln hat in einer aktuellen Entscheidung vom 03.06.2026 – 321 Qs 38/26 – diese Linie fortgeführt. Open Legal Data
Wichtig für eine juristisch saubere Darstellung ist allerdings: Der Bundesgerichtshof hat die Frage, ob 1,1 Promille generell für sämtliche Elektrokleinstfahrzeuge gelten, bislang nicht abschließend entschieden. Er hat sie in seinen Entscheidungen vom 02.03.2021 – 4 StR 366/20 – und vom 13.04.2023 – 4 StR 439/22 – ausdrücklich offengelassen. nu:legal Deutsches Recht
Für die Praxis ist dennoch klar: Wer mit 1,1 Promille oder mehr auf einem üblichen E-Scooter fährt, muss aktuell ernsthaft mit einem Strafverfahren wegen § 316 StGB rechnen.
Kann wegen einer E-Scooter-Fahrt der Autoführerschein weg sein?
Ja – und genau das überrascht viele Betroffene.
Eine Trunkenheitsfahrt nach § 316 StGB gehört zu den Straftaten, bei denen der Täter nach § 69 II Nr. 2 StGB in der Regel als ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen anzusehen ist. Das Gericht kann daher die Fahrerlaubnis entziehen. Gesetze im Internet
Dass für das Führen des konkreten E-Scooters selbst keine Fahrerlaubnis benötigt wird, verhindert die Entziehung des Pkw-Führerscheins nicht.
Das OLG Hamm hat 2025 ausdrücklich klargestellt, dass die Benutzung eines E-Scooters allein keinen Ausnahmefall von der Regelwirkung des § 69 StGB begründet. Auch die geringe Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs reicht hierfür nicht ohne Weiteres aus. Burhoff
Nach einer Entziehung bestimmt das Gericht außerdem eine Sperre für die Neuerteilung der Fahrerlaubnis. Der gesetzliche Rahmen liegt grundsätzlich zwischen sechs Monaten und fünf Jahren, § 69a I StGB. Gesetze im Internet
Die konkrete Entscheidung hängt aber immer von den Umständen des Einzelfalls ab.
Cannabis auf dem E-Scooter: 3,5 ng/ml gelten auch hier
Auch die neue THC-Grenze des § 24a I a StVG gilt beim E-Scooter, weil dieser ein Kraftfahrzeug ist.
Ordnungswidrig handelt grundsätzlich, wer ein Kraftfahrzeug mit 3,5 ng/ml oder mehr THC im Blutserum führt. Gesetze im Internet
Der Bußgeldkatalog sieht für den Grundfall 500 € Geldbuße und ein einmonatiges Fahrverbot vor. Gesetze im Internet
Entscheidend ist daher nicht, ob sich der Betroffene subjektiv noch „high“ fühlt. THC kann noch in einer rechtlich relevanten Konzentration vorhanden sein, obwohl die subjektive Wirkung bereits weitgehend abgeklungen erscheint. Genau diese Diskrepanz zwischen subjektiver Wahrnehmung und tatsächlicher Nachweisbarkeit wird auch im Gespräch aus medizinischer Sicht hervorgehoben. e scooteryt
Cannabis und Alkohol zusammen: besonders teuer und besonders riskant
Besonders problematisch ist Mischkonsum.
Wer mindestens 3,5 ng/ml THC im Blutserum aufweist und zusätzlich Alkohol konsumiert hat beziehungsweise die Fahrt unter der Wirkung eines alkoholischen Getränks antritt, verwirklicht den besonderen Tatbestand des § 24a II a StVG.
Der Bußgeldkatalog sieht hierfür im Grundfall 1.000 € und ein einmonatiges Fahrverbot vor. Gesetze im Internet
Aus medizinischer Sicht kommen die Risiken hinzu: Alkohol und Cannabis können Wahrnehmung, Reaktionsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Gleichgewicht beeinträchtigen. Gerade auf einem E-Scooter mit seinen kleinen Rädern und der fehlenden schützenden Fahrzeugstruktur kann dies besonders schnell zu einem Sturz führen. e scooteryt
Wann droht nach einer E-Scooter-Fahrt eine MPU?
Eine MPU folgt nicht automatisch auf jede Alkohol- oder Cannabisfahrt.
Bei Alkohol sieht § 13 S. 1 Nr. 2 FeV eine MPU insbesondere dann vor, wenn wiederholt Zuwiderhandlungen unter Alkoholeinfluss begangen wurden oder ein Fahrzeug mit mindestens 1,6 Promille beziehungsweise 0,8 mg/l Atemalkohol geführt wurde. Gesetze im Internet
Das bedeutet: Auch wiederholte Alkoholverstöße mit dem E-Scooter können später fahrerlaubnisrechtlich erhebliche Konsequenzen haben.
Bei Cannabis gilt seit der Neuregelung § 13a FeV. Eine MPU kommt insbesondere in Betracht, wenn Tatsachen die Annahme von Cannabismissbrauch begründen oder wiederholt Zuwiderhandlungen unter Cannabiseinfluss begangen wurden. Gesetze im Internet
Eine einmalige Überschreitung des 3,5-ng/ml-Grenzwerts führt deshalb nicht automatisch zur MPU. Kommen jedoch zusätzliche Tatsachen hinzu, die auf Cannabismissbrauch schließen lassen, kann die Fahrerlaubnisbehörde weitere Eignungsaufklärung verlangen.
Auch deshalb sollte zwischen dem Bußgeld- oder Strafverfahren und dem späteren Fahrerlaubnisverfahren unterschieden werden.
Muss ein E-Scooter versichert sein?
Ja.
Ein E-Scooter darf im öffentlichen Straßenverkehr grundsätzlich nur mit einer gültigen Versicherungsplakette in Betrieb gesetzt werden, § 2 I Nr. 2 eKFV. Die Plakette weist den bestehenden Haftpflichtversicherungsschutz nach. Gesetze im Internet
Ein fehlender oder beendeter Versicherungsschutz ist deshalb keineswegs nur eine Formalität. Der Gebrauch eines versicherungspflichtigen Fahrzeugs ohne erforderliche Haftpflichtversicherung kann nach dem Pflichtversicherungsgesetz strafbar sein. Gesetze im Internet
Gerade bei Routinekontrollen wegen einer fehlenden oder ungültigen Versicherungsplakette kann zusätzlich Alkohol- oder Drogenkonsum auffallen. Diese typische Situation wird auch im Transkript beschrieben. e scooteryt
Polizeikontrolle mit dem E-Scooter: Nicht jede Untersuchung ist freiwillig
Bei einer Kontrolle sollte zwischen freiwilligen Tests und rechtlich angeordneten Maßnahmen unterschieden werden.
Ein freiwilliger Urintest oder freiwillige Koordinationsübungen müssen nicht allein deshalb durchgeführt werden, weil die Polizei darum bittet.
Anders kann es bei einer rechtmäßig angeordneten Blutentnahme aussehen. § 81a StPO erlaubt unter den gesetzlichen Voraussetzungen eine Blutprobe auch ohne Einwilligung. Bei Verdacht auf bestimmte Verkehrsdelikte – darunter § 316 StGB – ist hierfür keine vorherige richterliche Anordnung erforderlich. Gesetze im Internet
Vor allem sollten Betroffene keine vorschnellen Angaben zum eigenen Alkohol- oder Cannabiskonsum machen, deren Bedeutung sie in der konkreten Situation nicht überblicken.
Medizinisch unterschätzt: Der E-Scooter verzeiht wenig
Juristische Grenzwerte sind nur ein Teil des Problems.
E-Scooter verlangen aufgrund ihrer Bauart ein hohes Maß an Gleichgewicht, Aufmerksamkeit und schneller Reaktion. Bordsteine, Straßenbahnschienen oder Unebenheiten können bereits nüchtern erhebliche Sturzgefahren darstellen.
Unter Alkohol, Cannabis, bei Mischkonsum oder zusätzlicher Übermüdung steigen diese Risiken weiter. Typische Verletzungen nach Stürzen betreffen insbesondere Gesicht, Hände, Handgelenke, Ellenbogen und Schlüsselbein. e scooteryt
Die oft nur wenige hundert Meter lange Fahrt nach Hause kann daher sowohl medizinisch als auch juristisch erhebliche Folgen haben.
Fazit: Das Auto stehen lassen – aber nicht auf den E-Scooter wechseln
Der E-Scooter ist nach Alkohol- oder Cannabiskonsum keine rechtlich sichere Alternative zum Auto.
Er ist ein Kraftfahrzeug. Deshalb können dieselben zentralen Alkohol- und THC-Vorschriften greifen, die auch Autofahrer betreffen.
Je nach Sachverhalt drohen:
Bußgeld und Fahrverbot, Strafverfahren wegen Trunkenheit im Verkehr, Entziehung der Fahrerlaubnis, Sperrfrist für die Neuerteilung und später eine MPU.
Wer nach Alkohol- oder Cannabiskonsum sicher nach Hause kommen möchte, sollte deshalb auch den E-Scooter stehen lassen.
Arzt und Anwalt klären auf
Dr. jur. Marc Herzog und Dr. med. Vitus Jass beleuchten das Thema gemeinsam aus juristischer und medizinischer Sicht: Warum ist der E-Scooter rechtlich ein Kraftfahrzeug? Welche Promille- und THC-Grenzen gelten? Wann kann der Pkw-Führerschein betroffen sein – und wann droht eine MPU?
Das vollständige Video finden Sie auf dem YouTube-Kanal „Dr. Herzog Rechtsanwälte“.
